
USA - Das Recht des Stärkeren

Die Schwachen müssen geschützt und unterstützt werden. So funktioniert unsere Gesellschaft, unser Recht, unser Staat, unser Westen. So funktionieren wir Babyboomer.
Nun kommt einer in Wild-West-Manier daher und führt wieder das Recht des Stärkeren ein. Alle Rechte, die genau das verhindern sollen, werden aus dem Weg geräumt. Alle Hilfsgelder für die Schwachen werden gestoppt. Partnerschaften mit Schwachen werden beendet.
Auf Charlie Kirks Trauerfeier wird von Trump und seinen Gefolgsleuten der zahlreich erschienen Trauergemeinde ein toxischer Cocktail von Trauer, Religion, Haß und Gewalt gereicht. Als Deutscher fragt man sich: Entwickelt sich das Jahr 2025 zu dem neuen 1933? Damals hat sich Deutschland extrem schnell und radikal in eine Richtung verändert, die weder für Deutschland noch für den Rest der Welt gut war. Entwickeln sich die USA zu dem neuen Deutschland? Eine Frage, die noch vor einem Jahr absolut absurd geklungen hätte.
Vor kurzem erst hat Trump das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenannt. Die komplette US-Militärführung hatten Präsident Trump und sein nun auch "Kriegsminister" genannter Pentagon-Chef Hegseth auf einen Stützpunkt beordert. Um Krieg ging es auch in Trumps Rede. Den Feind sieht er dabei im Inneren.
Wenige Wochen später formiert sich zum ersten Mal ein landesweiter, millionenfacher Widerstand unter dem Motto "No Kings". Bauen sich nach der Spaltung des Landes nun 2 Fronten auf? Das alles geschieht in einem Land, das mit Abstand das meiste Geld in militärische Ausrüstung, Personal, Infrastruktur und Technologie investiert. In amerikanischen Städten ist immer mehr Militär präsent.
Neue Partnerschaften unter den Starken entstehen. Putin, Trump und Xi vereint deren Großmachtstreben. Nach und nach nimmt sich jeder was er will. Ukraine, Grönland und Taiwan stehen ganz oben auf den Wunschlisten.
Als Babyboomer fühlt man sich in eine Welt versetzt, die stark an die amerikanischen Western unserer Kindheit erinnern. Da wurde auch jede Auseinandersetzung mit dem Colt ausgetragen. Eine Aktion, die uns so fremd ist. Deshalb fällt es uns auch so schwer, zu denken, was nun gedacht werden muß.
Das Trumpsche Amerika führt wieder das Recht des Stärkeren ein. Damit entsteht ein Klima der Angst. Das ist das Ende einer offenen und freien Gemeinschaft - national wie international.
Wie reagiert man darauf? Man geht auf Distanz zu den USA - so weit es geht. Man entwickelt seine eigene Resilienz gegenüber Krisen, Kriegen und Katastrophen weiter.
Seine Stärke kann Amerika am besten in bilateralen Verhandlungen ausspielen - und nicht im globalen Verbund. Dort ist Amerika nur EINER von VIELEN.
Aktuell versucht Trump gerade seinen bisher größten Deal durchzusetzen - den MAKE AMERIKA GREAT AGAIN DEAL. Mit der ersten Stufe baute er richtig Druck auf die DEAL-PARTNER auf.
Die Zölle wurden drastisch und kurzfristig erhöht.
Jahrzehnte lange wirtschaftliche und militärische Partnerschaften wurden gezielt in Frage gestellt.
Eine Schockwelle breitete sich auf der ganzen Welt aus. Genau die richtige Situation, um Vertragspartner gefügiger zu machen - man könnte auch sagen erpressbarer zu machen.
Spannend ist nun die zweite Stufe. Der bilaterale Vertragsentwurf für den MAKE AMERIKA GREAT AGAIN DEAL. Darin muß Trump seine wahren Ziele des Deals offenlegen. Er hat ein großes Interesse daran, daß diese geheim bleiben.
Im August 2025 ist der DEAL mit dem harmlos klingenden Namen "Neue Grundsatzvereinbarung zwischen der EU und den USA" in Kraft getreten - ohne daß der gesamte Vertragstext veröffentlicht wurde.
Warum diese Geheimnistuerei? Ist diese Vereinbarung doch nicht so harmlos wie der Name glauben lassen soll? Das schafft Raum für Spekulationen, auf die wir uns an dieser Stelle auch gerne mal einlassen.
Wurde in dem geheimen Teil des Abkommens die Zukunft Europas für ein paar Zollprozente verkauft?
Aber der Reihe nach:
Gehen wir zunächst einmal davon aus, daß die amerikanische Wirtschaftselite nicht plötzlich komplett verblödet ist und Unberechenbarkeit, Handelskrieg und das Ende sämtlicher Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaftsstrategie hält.
Für welchen Plan könnte sich Trump und die amerikanische Wirtschaftselite begeistern?
80 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges gerät die damals festgelegte Weltwirtschaftsordnung mächtig ins wanken. Neue Mächte, neue Technologien, neue Herausforderungen bedrohen die wirtschaftliche Stellung Amerikas in der Welt.
Amerikas wirtschaftliche Stärken liegen in den Bereichen Finanzen, Energie, Digitalisierung und Militärtechnik. In diesen Bereichen stehen zukunftsweisende globale Transformationen in Richtung Kryptowährung, regenerative Energien, Künstliche Intelligenz und Satelliten/Drohnen-Kriegsführung an. Hier entscheidet sich, ob Trump America wieder great again macht oder nicht. Dazu muß er für Amerika günstige globale Rahmenbedingungen schaffen - am besten eine neue Trumpsche Weltwirtschaftsordnung.
Was wären die wichtigsten Ziele des Plans?
- Die alte Öl-Welt verteidigen, so lange es Öl gibt.
- Neue Rohstoffvorkommen unter Kontrolle bringen, die
die schwindende wirtschaftliche Macht des Öls
ersetzen.
- Den Dollar als globale Leitwährung langfristig
schützen - auch in zukünftiger digitaler Form.
- Die neue virtuelle Welt beherrschen - außerhalb von
kleinteiligem, nationalem Recht.
- Die globale Wertschöpfung von Kopfarbeit mittels
Künstlicher Intelligenz nach Amerika holen.
Hintergrund zu den beiden letzten Zielen:
Der amerikanische Staat hat sich schon lange aus der virtuellen Welt des Internets zurückgezogen und es der Wirtschaft überlassen. Nun drängen die USA darauf, daß alle anderen Staaten diesem Beispiel folgen. Im Prinzip würde das Internet den Status eines Staates erhalten, daß sich eine eigene Rechtsordnung geben kann. Die virtuelle Welt stünde somit außerhalb von der realen Welt und dessen nationalem Recht.
Damit wären viele Wachtstumshindernisse der amerikanischen Tech-Giganten aus dem Weg geräumt - insbesondere bei der unternehmerischen Verbreitung der Künstlichen Intelligenz. Der Weg wäre frei, die weltweite Wertschöpfung vieler Kopfarbeiter, in die USA zu holen.
Das Szenario würde einiges erklären, wie z.B. Trumps Aussage: "Das goldene Zeitalter von Amerika beginnt genau jetzt" oder Trumps neue Freundschaft zu den Bossen der Tech-Giganten oder seine Begeisterung für die Zölle.
Eine belastbare Einschätzung der zukünftigen globalen Wirtschaftsentwicklung ist ohne Kenntnis über den geheimen Teil der "Neuen Grundsatzvereinbarung zwischen der EU und den USA" nicht möglich.
Nun hat Trump auch offiziell den Zusammenhang zwischen Zöllen und der Regulierung von amerikanischen Tech-Giganten hergestellt.
Die WELT schreibt am 26.8.2025: "US-Präsident Donald Trump hat Ländern mit Gesetzen zur Regulierung digitaler Firmen neue Zölle angedroht. "Digitale Steuern, Gesetze zu digitalen Diensten und Vorschriften für digitale Märkte zielen alle darauf ab, amerikanischer Technologie zu schaden oder sie zu benachteiligen", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Für Produkte von Ländern mit solchen Regelungen wolle er "erhebliche zusätzliche Zölle" einführen sowie den Export von US-Technologien und Chips in diese Länder beschränken – außer, sie heben die von den USA als "diskriminierend" eingestuften Maßnahmen auf. Die USA und ihre Technologiefirmen seien "nicht länger das 'Sparschwein' oder der 'Fußabtreter' der Welt", schrieb Trump. "Zollt Amerika und unseren großartigen Technologieunternehmen Respekt – oder tragt die Konsequenzen!""
Das ist doch mal eine klare Ansage.
Darauf müßte Europa mit genauso klaren Entscheidungen reagieren.